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ARE WE RUDY FER THE BAKE SHAH?

On the Air

Freitag, 22. Juni 2006, 21 Uhr

(Are we ready for the big show?)

Ein Abend der Zerstörung, des Chaos und des Frohsinns mit einem unbekannten David Lynch.

Österreichische Erstprojektion der Serie "On the Air", mit einführenden und begleitenden Worten von Tex Rubinowitz (aka Frank Baumann).

19/06/2007 Phil Mahre cine.phil 0 Kommentare

Gerade orthodoxen David-Lynch-Fans sind zwei Aspekte im Oeuvre dieses singulären Meisters vollkommen unbekannt, einerseits, dass er ungeheuer komisch ist, eine Komik, die in allen seinen Filmen immer wieder herausblitzt (Der Cowboy in "Mulholland Drive", die Enten in der Zeichentrickserie "Dumbland"), sie scheint aber offenbar unwillkommen, man hat sich eingerichtet mit der Exegese, er sei düster, unheimlich und böse, und in dieser Schublade ist Klamauk und Klamotte nun mal kontraproduktiv. Darunter hatte schon Kafka zu leiden, der während Lesungen im privaten Kreis vor Lachen schon mal unter den Tisch gerutscht ist, während Freund und Nachlassverwalter Max Brod selber gern unter den Tisch gerutscht wäre, allerdings vor Scham.

Die andere unbekannte Tatsache Lynchs, und sie schliesst nahtlos an den ersten Aspekt, ist eine Fernsehserie namens On the Air.

on the air

Sie wurde erstmals 1992 ausgestrahlt und ist gnadenlos gefloppt, laut Lynch, weil sie im Sommer, am Samstag und in der Nacht lief, drei tödliche Komponenten, kein Mensch sitzt da vorm Fernseher, kein Mensch kennt sie demzufolge, und weiss deshalb, dass sie fraglos zum Lustigsten gehört, was je für den Film- und Fernsehsektor produziert wurde. Der eigentliche Grund wird aber vermutlich sein, dass OTA ganz knapp nach Twin Peaks lief, teilweise parallel zu Twin Peaks gedreht wurde, die Leute waren konditioniert auf den Grusellynch, und wollten oder konnten einen alle und alles mit Slapstick der billigen Art zerstörenden Lynch nicht akzeptieren.

Das Thema der siebenteiligen OTA-Serie ist der regelmässige Versuch, 1957 sowas wie das erste Livefernsehen mit der "Lester Guy Show" zu installieren, etwas, was dann aber regelmässig gewaltig in die Hose geht. Das Beste an dieser Serie ist das haarsträubend unkompatible Personal, unter diesen Bedingungen kann natürlich nichts gedeihen, ausser Chaos. Lester Guy (Ian Buchanan), bekannt aus Twin Peaks, als Lucy den Kopf verdrehender Warenhausbeitzer, ist ein abgehalfteter, eitler Schaupieler, der unter der Leitung des heillos überforderten Regisseurs Vladja Gochktch einerseits versucht das Zentrum des Geschehens zu sein und sein Gesicht zu wahren und andererseits Intrigen zu spinnen. Hier weiss niemand was der andere macht bzw vorhat, es gibt kein Zentrum, keine Orientierung, deswegen muss alles scheitern. Der einzige Kitt des Zusammenhalts ist der schreiend komische Dialekt Vladja Gochktchs (eine auffallende Analogie zu den rückwärts sprechenden Zwergen in Twin Peaks) "Sha cun wutch ot un talavosion en yir un hime" ("She can watch it on television in your own home").

Leider kann man es eben nicht im Fernsehen zuhause anschauen, es existieren weltweit nur eine Handvoll mürber Videos, DVDs überhaupt nicht, deshalb die Serie von bulgarischen Filmspulen am 22. Juni, 21 Uhr in der Möbel- und Getränkehandlung phil, Gumpendorferstrasse 10, 1060 Wien, und, um es noch verwirrender zu machen, mit japanischen Untertiteln.

Text: Tex Rubinowitz.

Bilder: www.lynchnet.com (dort gibt es auch Interviews, einen Episodenführer und Soundsamples...)

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